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Innere Wunden heilen

(Lesezeit 5 Minuten)


Ich sitze gerade am Schreibtisch, draußen regnet es. Ich habe genügend Zeit, um in Gedanken zu schwelgen. Eine wundervolle Frau verließ gerade meine Praxis.

Von außen wirkt sie stabil, doch innerlich hat sie den Halt verloren. Es war ihr alles zu viel.


Es ist, als träge sie einen schweren Rucksack mit sich, dessen Schwere sie davon zurückhält, glücklich zu sein. Denn das, was sie darin mit sich trägt, sind schwere Lasten: einengende Glaubenssätze, negative Verhaltensweisen, schmerzvolle Bilder und messerscharfe Worte, die die Wunden ihrer Vergangenheit wieder aufreißen.


Es ist für mich keine Seltenheit Frauen zu sehen, die Gefühle, wie Schuld und Scham tief im Herzen mit sich herumtragen. Doch ich sehe auch, dass ihre Seele diese Gefühle nicht mehr länger hinnehmen kann. Ihr Körper wehrt sich.


“Die Zeit heilt alle Wunden”.

Ein Zitat vom französischen Philosophen und Schriftsteller Voltaire.


Aber tut sie das wirklich? Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?


Vermutlich jeder von uns musste schon einmal der schmerzvollen Realität ins Auge sehen und erkennen, dass schlimme Ereignisse aus der Vergangenheit unsere Gegenwart prägen. Schmerz verschwindet nicht. Er ist lediglich in unserem Unterbewusstsein begraben und wird durch gewisse Auslöser wieder lebendig. Dieses Licht der Vergangenheit bringt oftmals viel Schmerz und Kummer mit sich.


Doch irgendwann kommt der Tag, an dem jeder von uns den Ängsten der Vergangenheit entgegentreten muss, um die schmerzvollen Wunden in sich zu heilen. Aber der Tag, an dem wir diese Wunden erkennen, wird der Tag sein, an dem sich unser Leben für immer verändern wird. Wir müssen ein unbekanntes System erforschen, das auf dem Zusammenspiel von lebendigem Bewusstsein und verborgenem Unterbewusstsein basiert.


Um das zu erreichen, müssen wir uns erst einmal die Frage stellen: “Wie sind die seelischen Wunden von Frauen im Laufe der Zeit eigentlich entstanden?”


Historisch gesehen geschah dies in engem Zusammenhang mit der fortschreitenden Entwicklung der Stellung der Frau in unserer Gesellschaft. Schon früh gab es gesellschaftliche Disparitäten zwischen den Geschlechtern, die uns Frauen dazu veranlasst haben, aus vorgegebenen Normen in rechtlicher, politischer, geistiger, sozialer und psychischer Weise auszubrechen.


Die Abwertung der Frau in gesellschaftlicher Hinsicht ist aber kein unbekannter Konflikt mehr. Man braucht nur alte Filme anzuschauen oder den Erzählungen unserer Urgroßmütter zuzuhören und schon wird einem eins klar: Die Stellung der Frau in heutiger Zeit ist der des Mannes weitaus unterlegen.


Bereits im frühen Mittelalter sah dies aber noch ganz anders aus. Frauen waren vermögend, selbstständig und vor allem überaus gebildet. Ja, sie hatten oftmals sogar eine einflussreiche politische Stellung, die zu Zeiten von Rittern und Königen durchaus eine bedeutsame Rolle gespielt hat. Doch diese Zeiten haben sich drastisch geändert.


Befasst man sich einmal mit dem Voranschreiten der Zeit, so wird eins klar: Frauen hatten es nicht immer leicht. Sie durchlebten Kriege, hatten Sorgen um ihre Männer und den Schutz der Kinder. Sie wussten nicht, wie lange das Essen reicht, und ob sie dazu imstande waren, ihre Kinder zu beschützen. Eine Last, die sich über den Lauf der Zeit hinweg erstreckt und uns bis heute begleitet.


Gerade Frauen, die Probleme mit ihrem eigenen Selbstwert haben, kämpfen oft unbewusst mit sogenannten Ahnentraumata, die sich oftmals in ihrem heutigen Leben visualisieren lassen. Denn nicht nur Genetik bedingte Krankheiten, sondern auch seelische Erschütterungen können weitervererbt werden.


In der modernen Gesellschaft trägt fast jede Frau eine kollektive Wunde ihrer persönlichen Last in sich. Nur leider liegt diese Last oft versteckt und begraben in unserem Unterbewusstsein. Und warum?

Wir Frauen sind Meister im “Wegdrücken” und “Dinge überspielen”. Wir schieben den Schmerz von uns, um stark zu sein. Anstatt unsere Wunden zu hinterfragen, machen wir weiter und vergessen den Schmerz.


Doch wenn emotionaler Schmerz zu lange unterdrückt wurde, dann entsteht tiefe Angst und bittere Traurigkeit. Es entsteht unterbewusste Wut auf die Menschen, die zu dieser Trauer geführt haben und in schwierigen Situationen nicht zur Seite gestanden haben. Diese gewisse Unterdrückung von Schmerz ist für viele Frauen das tiefgreifende Motiv dafür, dass sie sich in einer Partnerschaft nicht richtig öffnen können, weil unterbewusste Probleme sowie Schmerzen nicht gelöst wurden.


Doch die größte Unzufriedenheit, die entsteht, ist die Wut auf sich selbst. Die Wut, den Schmerz einfach nicht loslassen, die Wunden nicht heilen zu können und stets diese große Last mit sich tragen zu müssen. Die schwere Last auf deinem Herzen muss endlich gelöst werden.

Und so ruft dein Körper um Hilfe, indem er dich zwingt, hinzusehen und endlich aktiv zu werden.


Während meiner Behandlungen sehe ich immer wieder, welch wunderschöne Botschaften das Unterbewusstsein für uns bereithält, wenn wir nur offen dafür sind. Die Weisheit der Seele und ihre Kommunikation über unseren Körper sind ein Wunder in sich. Die Reinheit der Botschaft und der Liebe, die wir erfahren dürfen, wenn wir unsere innere Wunde heilen, ist eine wahre Erlösung. Wenn du dich mit deinem Körper wieder verbindest, ihn nährst und liebst, dann erkennst du, wo du dich selbst verlassen hast und wie du den Weg zurück zu dir findest.

Und diesen Weg gehen wir gemeinsam in meiner Praxis. Du bist nicht alleine - ich nehme dich liebevoll an der Hand und zeige dir den Weg. Einen Weg, weg von Schmerz und frei von jeglichen Lasten. Gemeinsam finden wir deine innere Liebe zu dir selbst. Denn dort, wo Liebe ist, kann kein Schmerz sein.


Jede Heilung bedeutet, dass du mehr in deine ganze Kraft kommst. Du strahlst mehr, du fühlst mehr, bist mehr du: nimm dich an und höre auf, dein wunderbares Selbst zu verstecken. Vertraue in die Botschaften deiner Wunden und mache dich auf den Weg der Heilung.


Ein gutes Leben zu haben bedeutet nicht, niemals schwierige Zeiten durchzumachen. Es bedeutet zu lernen, wie wir stärker daraus hervorgehen. Anstatt unseren Schmerz zu betäuben, können wir seiner Botschaft lauschen und ihn als Ruf wahrnehmen, etwas in unserem Leben zu verändern, um glücklicher und weiser zu leben.


Ich wünsche, dass auch du den Mut hast, deine Wunden zu erkennen und dir und deinem Körper erlaubst zu heilen.


Alles Liebe,

Susan



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